{"id":390,"date":"2026-10-11T15:15:00","date_gmt":"2026-10-11T14:15:00","guid":{"rendered":"https:\/\/fahrverbot-kulturgut-berlin.de\/?p=390"},"modified":"2026-10-11T15:15:00","modified_gmt":"2026-10-11T14:15:00","slug":"schleichweg-als-kostenfalle-warum-sich-das-umfahren-von-fahrverboten-selten-lohnt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fahrverbot-kulturgut-berlin.de\/?p=390","title":{"rendered":"Schleichweg als Kostenfalle: Warum sich das Umfahren von Fahrverboten selten lohnt"},"content":{"rendered":"<h2>Wenn das Navigationssystem zur teuren Abk\u00fcrzung verleitet<\/h2>\n<p>Rote Ampeln reihen sich aneinander, die Hauptstra\u00dfe steht still und auf dem Display erscheint pl\u00f6tzlich eine scheinbar elegante L\u00f6sung: durch das Wohnviertel, vorbei am Stau, zur\u00fcck auf die Ausfallstra\u00dfe. \u00c4hnlich verlockend wirkt der digitale Routenvorschlag, wenn eine Umweltzone, ein Diesel-Fahrverbot oder eine zeitweise Durchfahrtsbeschr\u00e4nkung den gewohnten Weg versperrt. F\u00fcr Pendler, Au\u00dfendienstmitarbeiter und Berufskraftfahrer entsteht dabei leicht der Eindruck, nur wenige Meter abseits der offiziellen Route k\u00f6nnten den entscheidenden Zeitvorteil bringen.<\/p>\n<p>Doch die angezeigte Zeitersparnis ist h\u00e4ufig eine Rechenillusion. Zwei Minuten weniger auf der Karte stehen einem h\u00f6heren Unfallrisiko, zus\u00e4tzlichem Verschlei\u00df, Konflikten mit Anwohnern und m\u00f6glichen Sanktionen gegen\u00fcber. Wer eine Stra\u00dfe nur als Durchgang benutzt, obwohl ein Zusatzzeichen den Zugang auf Anlieger beschr\u00e4nkt, riskiert je nach konkreter Beschilderung ein Verwarnungs- oder Bu\u00dfgeld. Der vermeintliche Zeitgewinn kann damit schnell teurer werden als mehrere Stunden regul\u00e4rer Berufsverkehr.<\/p>\n<h2>Die Illusion der Abk\u00fcrzung im n\u00fcchternen Realit\u00e4tscheck<\/h2>\n<p>Routenplaner kalkulieren vor allem anhand von Streckenl\u00e4nge, gemeldeter Verkehrslage und durchschnittlicher Geschwindigkeit. Die Realit\u00e4t in einem Wohngebiet ist jedoch kleinteiliger. Verkehrsberuhigte Bereiche, enge Fahrbahnen, Fu\u00dfg\u00e4ngerquerungen, parkende Fahrzeuge und h\u00e4ufige Rechts-vor-links-Kreuzungen bremsen den Verkehrsfluss. In Tempo-30-Zonen kommt hinzu, dass schon wenige Sekunden an mehreren Kreuzungen den errechneten Vorsprung vollst\u00e4ndig aufzehren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Besonders problematisch ist die st\u00e4ndige Beschleunigungs- und Bremsarbeit. Ein Fahrzeug verbraucht auf einer kurzen Strecke nicht nur wegen der Entfernung Kraftstoff oder elektrische Energie, sondern auch wegen der vielen Geschwindigkeitswechsel. Reifen, Bremsen und Kupplung werden st\u00e4rker beansprucht. Bei einem Transporter mit Ladung k\u00f6nnen enge Kurven und pl\u00f6tzlich auftauchende Hindernisse zudem die Fahrsicherheit beeintr\u00e4chtigen. F\u00fcr den t\u00e4glichen Arbeitsweg ist das keine Kleinigkeit, sondern eine wiederkehrende Belastung, die sich \u00fcber Wochen und Monate summiert.<\/p>\n<p>Auch aus Sicht der Verkehrsplanung ist ein Wohnviertel kein kostenloser Ersatz f\u00fcr eine Hauptverkehrsachse. Umleitungen m\u00fcssen hinsichtlich Kapazit\u00e4t, Sicherheit, Sichtbeziehungen und der Bed\u00fcrfnisse von Fu\u00dfg\u00e4ngern und Radfahrern gepr\u00fcft werden. Der technische Leitfaden <a href=\"https:\/\/mutcd.fhwa.dot.gov\/htm\/2009\/part6\/part6f.htm\" target=\"_blank\">2009 Edition Chapter 6F. Temporary Traffic Control Zone Devices<\/a> zeigt beispielhaft, wie detailliert Verkehrsf\u00fchrungen, Beschilderung und Schutzvorrichtungen bei tempor\u00e4ren \u00c4nderungen geplant werden m\u00fcssen. Daraus l\u00e4sst sich eine einfache praktische Regel ableiten: Wo keine belastbare Umleitungsplanung existiert, ist eine schmale Anliegerstra\u00dfe gew\u00f6hnlich nicht f\u00fcr zus\u00e4tzlichen Durchgangsverkehr ausgelegt.<\/p>\n<table>\n<tr>\n<th>Kriterium<\/th>\n<th>Hauptverkehrsachse<\/th>\n<th>Schleichweg durch Wohnstra\u00dfen<\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Fahrzeit<\/td>\n<td>Bei Stau langsam, aber vergleichbar kalkulierbar<\/td>\n<td>Auf der Karte k\u00fcrzer, in der Praxis durch Kreuzungen und Hindernisse oft kaum schneller<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Fahrverhalten<\/td>\n<td>Gleichm\u00e4\u00dfiger Verkehrsfluss, sofern die Strecke nicht vollst\u00e4ndig steht<\/td>\n<td>Viele Brems- und Beschleunigungsvorg\u00e4nge, enge Begegnungen und un\u00fcbersichtliche Stellen<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Rechtliches Risiko<\/td>\n<td>Gering, sofern Beschilderung und Geschwindigkeit beachtet werden<\/td>\n<td>Erh\u00f6ht durch Durchfahrtsverbote, Anliegerregelungen und Tempoverst\u00f6\u00dfe<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Kosten<\/td>\n<td>Vor allem Zeit- und regul\u00e4rer Fahrzeugaufwand<\/td>\n<td>M\u00f6gliche Verwarnungs- oder Bu\u00dfgelder, mehr Verschlei\u00df und Folgekosten<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<h2>Das Missverst\u00e4ndnis rund um das Zusatzzeichen Anlieger frei<\/h2>\n<p>Das Zusatzzeichen \u201eAnlieger frei&#8220; bedeutet nicht, dass jeder Verkehrsteilnehmer die Stra\u00dfe benutzen darf, solange er besonders vorsichtig f\u00e4hrt. Erlaubt ist vielmehr der Zugang f\u00fcr Personen, die einen nachvollziehbaren Bezug zu einem Grundst\u00fcck oder einem konkreten Ziel an der gesperrten Strecke haben. Dazu z\u00e4hlen etwa Bewohner, Besucher, Eigent\u00fcmer, Mieter, Lieferanten, Handwerker und Personen mit einem Termin in einer dort gelegenen Praxis oder einem Gesch\u00e4ft.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-large\">\n    <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"533\" src=\"https:\/\/fahrverbot-kulturgut-berlin.de\/wp-content\/uploads\/sites\/22\/2026\/10\/selected-02-german-traffic-signs-urban-optimized.jpg\" alt=\"Verkehrsschilder und Stra\u00dfenhinweis an einer urbanen Bahnstation\" class=\"wp-image-389\" srcset=\"https:\/\/fahrverbot-kulturgut-berlin.de\/wp-content\/uploads\/sites\/22\/2026\/10\/selected-02-german-traffic-signs-urban-optimized.jpg 800w, https:\/\/fahrverbot-kulturgut-berlin.de\/wp-content\/uploads\/sites\/22\/2026\/10\/selected-02-german-traffic-signs-urban-optimized-300x200.jpg 300w, https:\/\/fahrverbot-kulturgut-berlin.de\/wp-content\/uploads\/sites\/22\/2026\/10\/selected-02-german-traffic-signs-urban-optimized-768x512.jpg 768w, https:\/\/fahrverbot-kulturgut-berlin.de\/wp-content\/uploads\/sites\/22\/2026\/10\/selected-02-german-traffic-signs-urban-optimized-360x240.jpg 360w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption>Wer eine beschr\u00e4nkte Stra\u00dfe nutzt, sollte die Verkehrszeichen vollst\u00e4ndig pr\u00fcfen: Entscheidend ist nicht die k\u00fcrzere Route, sondern ob ein konkreter und erlaubter Fahrtzweck vorliegt.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die rechtliche Einordnung ist nicht auf den ersten Blick vollst\u00e4ndig durch eine einzelne gesetzliche Definition festgelegt. Ma\u00dfgeblich ist der konkrete Zweck der Fahrt. Wer eine Person an einem Ziel innerhalb des Bereichs abholt, Waren anliefert oder einen Auftrag ausf\u00fchrt, kann als berechtigt gelten. Auch ein Besuch kann grunds\u00e4tzlich ausreichen, selbst wenn die besuchte Person im Moment der Ankunft nicht \u00f6ffnet. Der <a href=\"https:\/\/www.adac.de\/verkehr\/recht\/verkehrsvorschriften-deutschland\/anlieger-frei\/\" target=\"_blank\">ADAC erkl\u00e4rt die Anliegerregel<\/a> entsprechend anhand des tats\u00e4chlichen Bezugs zu einem Grundst\u00fcck und nicht anhand von Eigentum allein.<\/p>\n<p>Ein schneller Einkauf beim B\u00e4cker kann dagegen nur dann rechtfertigen, dass die betreffende Stra\u00dfe befahren wird, wenn sich der B\u00e4cker tats\u00e4chlich innerhalb des beschr\u00e4nkten Bereichs befindet. Liegt das Gesch\u00e4ft an der n\u00e4chsten Hauptstra\u00dfe, sch\u00fctzt der Hinweis auf den Einkauf nicht vor einer Sanktion. Noch deutlicher ist der Fall beim blo\u00dfen Durchfahren: Wer in die Stra\u00dfe einf\u00e4hrt, um an ihrem Ende schneller wieder auf eine andere Hauptverkehrsstra\u00dfe zu gelangen, verfolgt gerade keinen Anliegerzweck.<\/p>\n<ul>\n<li>Ein Besuch bei Bewohnern oder die Fahrt zu einer konkreten Adresse kann die Einfahrt rechtfertigen.<\/li>\n<li>Lieferungen, Abholungen, Handwerkerarbeiten und berufliche Auftr\u00e4ge sind typische berechtigte Zwecke.<\/li>\n<li>Ein Arzttermin, ein Besuch in einem dort gelegenen Gesch\u00e4ft oder eine notwendige Zufahrt zum eigenen Grundst\u00fcck kann ebenfalls ausreichen.<\/li>\n<li>Das reine Umfahren eines Staus oder einer Umweltzone ist kein Anliegerzweck.<\/li>\n<li>Bei einer Kontrolle sollte der Fahrtgrund plausibel und nachvollziehbar erkl\u00e4rt werden k\u00f6nnen; Belege sind nicht immer erforderlich, k\u00f6nnen aber hilfreich sein.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das gilt nicht nur f\u00fcr Pkw. Je nach Verkehrszeichen und konkreter Regelung k\u00f6nnen auch Lastwagen, Fahrr\u00e4der und E-Scooter von der Beschr\u00e4nkung betroffen sein. Wer die Beschilderung falsch deutet, kann deshalb nicht mit einem vermeintlich harmlosen Fahrzeugtyp argumentieren. Ein Sackgassenschild allein verbietet die Einfahrt zwar nicht. Steht dahinter jedoch ein Durchfahrtsverbot mit einer Anliegerfreigabe, endet die allgemeine Durchfahrtserlaubnis an dieser Stelle.<\/p>\n<h2>Vom Verwarnungsgeld zur handfesten Kostenfalle<\/h2>\n<p>Bei einem Versto\u00df gegen ein allgemeines Verkehrsverbot, etwa durch Zeichen 250, h\u00e4ngt die konkrete H\u00f6he der Sanktion von der Beschilderung, dem Fahrzeug und den Umst\u00e4nden ab. F\u00fcr die Missachtung eines Durchfahrtsverbots werden in Deutschland h\u00e4ufig Verwarnungsgelder im unteren zweistelligen Bereich angesetzt. Bei einer Anliegerstra\u00dfe nennen g\u00e4ngige rechtliche \u00dcbersichten beispielsweise Betr\u00e4ge von 25 bis 100 Euro, w\u00e4hrend f\u00fcr Pkw je nach konkreter Regelung auch ein Verwarnungsgeld von 50 Euro in Betracht kommen kann. Wer ohne Berechtigung dort parkt, muss mit einem zus\u00e4tzlichen oder gesonderten Versto\u00df rechnen.<\/p>\n<p>Die finanzielle Rechnung versch\u00e4rft sich, sobald mehrere Regelverletzungen zusammenkommen. Ein Fahrer, der durch eine Tempo-30-Zone ausweicht und dabei die zul\u00e4ssige Geschwindigkeit \u00fcberschreitet, begeht nicht automatisch nur einen einzigen Fehler. Die Folgen richten sich nach der gemessenen \u00dcberschreitung, der \u00f6rtlichen Beschilderung und den allgemeinen Regeln des Bu\u00dfgeldrechts. Bei deutlich h\u00f6heren Geschwindigkeiten k\u00f6nnen neben dem Geldbetrag auch Punkte oder ein Fahrverbot eine Rolle spielen. Ma\u00dfgeblich ist stets der deutsche Bu\u00dfgeldkatalog, nicht eine pauschale Internetrechnung.<\/p>\n<p>Das Grundprinzip ist international \u00e4hnlich: Wer die zul\u00e4ssige Geschwindigkeit den Umst\u00e4nden nicht anpasst oder Sperrungen bewusst ignoriert, kann sich nicht mit dem Zeitdruck im Berufsverkehr rechtfertigen. Der <a href=\"https:\/\/www.revisor.mn.gov\/statutes\/cite\/169.14\" target=\"_blank\">Office of the Revisor of Statutes<\/a> verdeutlicht in seinen Regeln zur angemessenen Geschwindigkeit, dass Fahrer Gefahren, Kreuzungen, enge Stra\u00dfen und besondere Verkehrslagen ber\u00fccksichtigen m\u00fcssen. Die dortigen Vorschriften gelten nicht als deutscher Bu\u00dfgeldkatalog, zeigen aber anschaulich, warum unangepasstes Fahren und riskante Umgehungsman\u00f6ver rechtlich streng bewertet werden.<\/p>\n<ul>\n<li>Ein einzelner Versto\u00df kann bereits ein Verwarnungsgeld ausl\u00f6sen, auch wenn niemand gef\u00e4hrdet wurde.<\/li>\n<li>Eine zus\u00e4tzliche Geschwindigkeits\u00fcberschreitung kann einen zweiten, eigenst\u00e4ndigen Regelversto\u00df darstellen.<\/li>\n<li>Bei Behinderung oder Gef\u00e4hrdung anderer Verkehrsteilnehmer k\u00f6nnen h\u00f6here Sanktionen folgen.<\/li>\n<li>Parken ohne erforderliche Berechtigung ist nicht dasselbe wie eine kurze Zufahrt und kann separat geahndet werden.<\/li>\n<li>Wiederholte Verst\u00f6\u00dfe erh\u00f6hen den Kontrolldruck und k\u00f6nnen bei der Bewertung weiterer Verkehrsdelikte eine ung\u00fcnstige Rolle spielen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Kontrollen m\u00fcssen dabei nicht immer durch uniformierte Kr\u00e4fte am Stra\u00dfenrand erfolgen. Kameras k\u00f6nnen Kennzeichen erfassen, insbesondere an Einfahrten in beschr\u00e4nkte Zonen. In kleineren Kommunen setzen Beh\u00f6rden h\u00e4ufiger auf punktuelle Polizeikontrollen oder Mitarbeiter des Ordnungsamts. Wer einen bekannten Schleichweg regelm\u00e4\u00dfig nutzt, sollte deshalb nicht davon ausgehen, dass die Strecke unbeobachtet bleibt. In ausl\u00e4ndischen Umwelt- und Verkehrsbeschr\u00e4nkungen, etwa italienischen ZTL-Zonen, werden wiederholte Einfahrten teilweise einzeln erfasst und separat verfolgt. Die deutsche Regelung ist davon zu unterscheiden, die praktische Warnung bleibt jedoch dieselbe: Eine einmalige Abk\u00fcrzung kann zur Serie werden, wenn das Kennzeichen mehrfach dokumentiert wird.<\/p>\n<h2>Gereizte Nachbarschaften und gezielte Gegenma\u00dfnahmen der Kommunen<\/h2>\n<p>F\u00fcr Anwohner ist der Schleichweg nicht blo\u00df eine abstrakte Verkehrsfrage. Fr\u00fch am Morgen rollen zus\u00e4tzliche Fahrzeuge an Schlafzimmern vorbei, vor Schulen entstehen un\u00fcbersichtliche Situationen und in schmalen Stra\u00dfen werden Gehwege oder Einfahrten blockiert. Besonders kritisch ist der Berufsverkehr, wenn viele Ortskundige gleichzeitig dieselbe vermeintliche Abk\u00fcrzung entdecken. L\u00e4rm, Abgase und riskante Begegnungen f\u00fchren dann h\u00e4ufig zu B\u00fcrgerinitiativen und Beschwerden bei Gemeinde, Polizei oder Ordnungsamt.<\/p>\n<p>Kommunen reagieren zunehmend mit einer Mischung aus Kontrolle und baulicher Verkehrslenkung. Dazu z\u00e4hlen Modalfilter, Diagonalsperren, Poller, Einbahnregelungen, Durchfahrtssperren und neue Querungshilfen. Solche Ma\u00dfnahmen sollen den Durchgangsverkehr reduzieren, ohne den Zugang f\u00fcr Anwohner, Rettungsdienste oder berechtigte Lieferverkehre vollst\u00e4ndig abzuschneiden. Auch eine klarere Beschilderung kann Teil der L\u00f6sung sein, denn unverst\u00e4ndliche oder schlecht sichtbare Hinweise erh\u00f6hen die Zahl unbeabsichtigter Verst\u00f6\u00dfe.<\/p>\n<ol>\n<li>Die Kommune erfasst Beschwerden, Verkehrsmengen und Gefahrenstellen, etwa an Schulen oder engen Kreuzungen.<\/li>\n<li>Ordnungsamt und Polizei f\u00fchren zeitlich begrenzte Kontrollen an typischen Einfahrten und Knotenpunkten durch.<\/li>\n<li>Bei anhaltender Belastung werden bauliche Ma\u00dfnahmen wie Filter, Sperren oder ge\u00e4nderte Fahrbeziehungen gepr\u00fcft.<\/li>\n<li>Anwohner dokumentieren h\u00e4ufig Kennzeichen, Uhrzeiten und Situationen und geben diese Informationen an die zust\u00e4ndigen Stellen weiter.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Private Aufnahmen ersetzen dabei keine amtliche Beweisf\u00fchrung und d\u00fcrfen nicht zu Selbstjustiz f\u00fchren. Dennoch k\u00f6nnen wiederkehrende, sachlich dokumentierte Hinweise den Beh\u00f6rden zeigen, dass es sich nicht um einzelne Ausnahmen handelt. F\u00fcr Pendler bedeutet das: Je st\u00e4rker ein Wohngebiet als Ausweichroute genutzt wird, desto wahrscheinlicher wird eine dauerhafte Gegenma\u00dfnahme. Die Abk\u00fcrzung verschwindet dann nicht nur aus der legalen, sondern bald auch aus der praktischen Routenplanung.<\/p>\n<h2>Gelassen auf der Hauptroute bleiben und bares Geld sparen<\/h2>\n<p>Die n\u00fcchterne Bilanz f\u00e4llt f\u00fcr Schleichwege meist ung\u00fcnstig aus. Der m\u00f6gliche Zeitgewinn betr\u00e4gt oft nur wenige Minuten und h\u00e4ngt von mehreren unsicheren Faktoren ab. Dagegen stehen das Risiko einer Kontrolle, zus\u00e4tzliche Brems- und Beschleunigungsvorg\u00e4nge, h\u00f6herer Verschlei\u00df sowie die M\u00f6glichkeit, Anwohner und schw\u00e4chere Verkehrsteilnehmer zu gef\u00e4hrden. Aus zwei Minuten Vorsprung kann damit ein teurer Umweg \u00fcber Bu\u00dfgeldstelle, Werkstatt oder im schlimmsten Fall eine rechtliche Auseinandersetzung werden.<\/p>\n<p>Vorausschauende Planung ist deshalb die belastbarere Strategie. Vor dem Berufsverkehr lassen sich erlaubte Alternativrouten pr\u00fcfen, Fahrgemeinschaften oder der \u00f6ffentliche Verkehr k\u00f6nnen bei regelm\u00e4\u00dfigen Sperrungen entlasten. Wer auf eine berechtigte Zufahrt angewiesen ist, sollte Beschilderung und zeitliche Einschr\u00e4nkungen genau lesen und den konkreten Zielort im Bereich der Freigabe ansteuern. Bei Unsicherheit ist der offizielle Verkehrswarndienst der Kommune oder die zust\u00e4ndige Stra\u00dfenverkehrsbeh\u00f6rde verl\u00e4sslicher als ein automatisch berechneter Routenvorschlag.<\/p>\n<ul>\n<li>F\u00fcr regelm\u00e4\u00dfige Wege sollte eine legale Ausweichroute vorab getestet werden, nicht erst im stehenden Verkehr.<\/li>\n<li>Bei \u201eAnlieger frei&#8220; z\u00e4hlt der konkrete Zweck der Fahrt, nicht die blo\u00dfe Absicht, Zeit zu sparen.<\/li>\n<li>Geschwindigkeit und Fahrweise m\u00fcssen auch auf kurzen Nebenstrecken an Sichtweite, Fu\u00dfverkehr und Kreuzungen angepasst werden.<\/li>\n<li>Ein kleiner Zeitpuffer im Arbeitsweg ist g\u00fcnstiger als ein riskantes Man\u00f6ver unter Zeitdruck.<\/li>\n<li>Rechtssicherheit, Fahrzeugschonung und R\u00fccksicht auf Anwohner wiegen regelm\u00e4\u00dfig schwerer als zwei gewonnene Minuten.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wer auf der erlaubten Hauptroute bleibt, gewinnt vielleicht nicht immer Zeit, aber Planbarkeit. Genau darauf kommt es im Berufsverkehr an: Eine vermeintliche Abk\u00fcrzung, die jederzeit in Kontrolle, Konflikt oder Kosten kippen kann, ist keine verl\u00e4ssliche Mobilit\u00e4tsstrategie. Gelassenheit ist hier nicht Bequemlichkeit, sondern eine vern\u00fcnftige Form der Risikokontrolle.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn das Navigationssystem zur teuren Abk\u00fcrzung verleitet Rote Ampeln reihen sich aneinander, die Hauptstra\u00dfe steht still und auf dem Display erscheint pl\u00f6tzlich eine scheinbar elegante L\u00f6sung: durch das Wohnviertel, vorbei am Stau, zur\u00fcck auf die Ausfallstra\u00dfe. \u00c4hnlich verlockend wirkt der digitale Routenvorschlag, wenn eine Umweltzone, ein Diesel-Fahrverbot oder eine zeitweise [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":79,"featured_media":388,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[],"class_list":["post-390","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-alternativen-zu-fahrverboten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/fahrverbot-kulturgut-berlin.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/390","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/fahrverbot-kulturgut-berlin.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/fahrverbot-kulturgut-berlin.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/fahrverbot-kulturgut-berlin.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/79"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/fahrverbot-kulturgut-berlin.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=390"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/fahrverbot-kulturgut-berlin.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/390\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":391,"href":"https:\/\/fahrverbot-kulturgut-berlin.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/390\/revisions\/391"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/fahrverbot-kulturgut-berlin.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/388"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/fahrverbot-kulturgut-berlin.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=390"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/fahrverbot-kulturgut-berlin.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=390"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/fahrverbot-kulturgut-berlin.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=390"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}